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Norddeutschland Rund – Von Berlin nach Borkum
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Beluga im Zentrum der Macht
Doris Sutter

Segeltörn Kroatien- Montenegro
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Aktueller Reisebericht

Norddeutschland Rund – Von Berlin nach Borkum
im "010 von Wolf Schneider (Reiseziel: Borkum)

Das Boot sinkt. Ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter. Glucksende Wasserstrudel begleiten den Weg nach unten. Dennoch kommt keine Panik auf, das Schleusenmanöver ist inzwischen Abwechslung und Routine zugleich. Und es gibt genug davon auf diesem Weg von der deutschen Hauptstadt bis auf die Nordseeinsel Borkum - 19 sind zu meistern. Manche sagen, diese Reise sei langweilig und nicht aufregend genug. Andere sagen, sie sei gerade deswegen entspannend und friedlich. Und das ist diese Reise sicherlich – Genuss für alle Bootjefahrer, die ihre Liebe zur Langsamkeit entdeckt haben, zumindest im Urlaub oder in der Freizeit. Viele Wege führen von Berlin nach Borkum – komplizierte über Havel, Elbe und durch das Wattenmeer. Oder es gibt lange Wege über Oder, Ostsee und Nord-Ostsee-Kanal. Und es gibt auch den sehr schönen Weg über Havel, Mittellandkanal, Weser und Ems-Jade-Kanal. Alle führen sie ans Ziel. Wer jedoch eine erholsame und dennoch abwechslungsreiche Strecke sucht und eine Woche Zeit hat, der wählt diesen Weg: durch die Havel, durch die drei bedeutenden norddeutschen Kanäle Elbe-Havel-Kanal, Mittellandkanal und Dortmund-Ems-Kanal sowie die Mündung der Ems. Deutschland hat ein befahrbares Wasserstraßennetz von über 10.000 Kilometern mit vielen Flüssen, Seen, Seewasserstraßen und Kanälen. Davon sind es 650 Kilometer über diesen Weg nach Borkum.

Der Nebel über dem Wasser lichtet sich. Aus den milchigen Schwaden des frühen Berliner Sommermorgens schälen sich die grünen Hügel des Havelufers. Hier, direkt am Rande der quirligen Hauptstadt, ist die Havel kurz hinter dem Zusammenschluss mit der Spree eine breite Seenlandschaft. Nach wenigen Kilometern hat man die Stadt hinter sich gelassen, die europaweit die meisten befahrbaren Wasserwege alleine in ihrem Stadtgebiet beheimatet. 180 Kilometer führen über Havel, Spree und Dahme und die vielen sie verbindenden Kanäle. Schnell zeigt die Fahrtrichtung nur noch nach Westen, hinein in ein Gebiet, in der es die Natur besonders gut gemeint hat mit den Wassersportlern. Die ersten 80 Kilometer von Berlin bis in die Einfahrt in den Elbe-Havel-Kanal


Morgengrauen am Elbe-Havel-Kanal                                Elbe-Havel-Kanal bei schönstem Wetter

gehören zu den schönsten Wassersportgebieten Deutschlands. Links und rechts begleiten üppiges Grün die langsame Fahrt. Neun Stundenkilometer sind erlaubt, mehr wäre auch ein Verlust an Entspannung und Erlebnis. Malerische und wechselhafte Landschaften, Einmündungen von Bächen und kleine Inselchen ziehen vorbei. Biber, Graureiher und immer wieder Enten- und Schwanenfamilien werden zu treuen Begleitern. Sie alle haben wenig Interesse an den vorbeifahrenden Booten. Nur die Schwäne schauen kampfeslustig, wenn man sich ihren Kindern zu sehr nähert. Gleichbleibend ist nur das Tuckern des Motors. Die gesamte Strecke lang sieht man vornehmlich Motorboote. Seltener schon benutzen Segler mit gelegtem Mast diesen Weg, da die minimale Durchfahrtshöhe auf der gesamten Strecke 4,50 Meter ist. Alles, was höher ist, passt nicht durch die mehr als 600 zu unterfahrenden Brücken.

Nach 100 Kilometern ändert sich das Bild schlagartig. Vor dem Boot taucht einer der imponierendsten Wasserbauwerke Deutschlands auf. Die Doppelschleuse Hohenwarthe, die den Elbe-Havel-Kanal mit dem Mittellandkanal verbindet. Über diese gewaltige Schleuse und die Trogbrücke können seit 2003 Schiffe die Elbe überqueren. Seit vielen Jahrzehnten wurde dieses Projekt schon geplant und immer wieder verworfen, bis es dann 2003 endlich fertig gestellt wurde. Zeitraubende und im Sommer durch das Niedrigwasser der Elbe bedingte Schifffahrtseinstellungen werden dadurch überflüssig. Dem Bootjefahrer, der sich diesem Riesenbauwerk nähert, wird beim ersten Mal schon ein wenig mulmig. Und wenn er dann in das „Loch“ mit beidseitig 25 Meter hohen dunklen und nassen Wänden einfährt, kommt Zweifel an der Richtigkeit des gewählten Hobbies auf. Aber Panik ist völlig fehl am Platz. Die wunderbare Erfindung von Schwimmpollern an der Backbordseite der Schleusenwand macht das Schleusenmanöver zu einem unvergesslichen Erlebnis. Das Boot wird einfach an den Schwimmpollern festgemacht – und das war es dann auch schon. Wie von Geisterhand hebt sich das eigene Boot und seine faszinierte Mannschaft auf den 25 Meter höher liegenden Beginn des Mittellandkanals.


Am Mittellandkanal                                                         Nicht Holland-der Mittellandkanal bei Hannover

Dieser Kanal – die bedeutendste Schifffahrtsverbindung zwischen West und Ost – wird für die nächsten drei Tage die Heimat der Bootjefahrer auf dem Weg nach Borkum. Vorbei direkt an den VW-Werken in Wolfsburg, mitten durch die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover, vorbei an den Häfen von Braunschweig, Salzgitter, Hildesheim und Osnabrück begegnet dem Freizeitsportler die Binnenschifffahrt. Dicke Pötte sind das schon, die aus Holland, Tschechien, Polen und Deutschland kommen. Sie transportieren Sand, Kies, Container, Holz und neuerdings - dank der hohen Weltmarktpreise für Stahl - auch wieder Unmengen von Schrott. Gerne erwidern die Schiffsführer den Gruß, den der Bootjefahrer in dieser Woche hundertmal abgibt: Die Hand wird gehoben und einmal leicht als Zeichen des gegenseitigen Wunsches einer guten Reise in Fahrtrichtung geschwenkt. „Cool“ gibt man sich dabei, nur der wild gestikulierend winkende Bootsreisende outet sich als „unprofessionell“.

Aber man sollte bei aller Coolness auch die Konzentration beim Führen des Bootes nicht vernachlässigen. Die Begegnung mit großen Binnenschiffen ist unproblematisch. An engen Stellen sollte man allerdings unbedingt beachten, dass das entgegenkommende Schiff einen Sog verursacht, der auf der eigenen rechten Fahrwasserseite das Kanal- oder Flusswasser für wenige Sekunden bis zu einem Meter wegzieht, also flacher werden lässt. Das hört sich schlimm an, ist es aber nicht. Der Bootjefahrer sollte allerdings nach Passieren des Bugs des Binnenschiffs den eigenen Bug etwas mehr in Richtung der Schiffsmitte des Binnenschiffs lenken. So sind die größten entgegenkommenden Berufsschiffe auch an den engsten Stellen problemlos passierbar.

Auch kein Problem sind Liegeplätze am Mittellandkanal zu finden. Wenn man nicht eine der vielen kleinen Marinas ansteuern will, kann man ca. alle 15 Kilometer direkt am Kanal an den dafür bezeichneten Sportboot-Liegestellen übernachten. Das hat den großen Vorteil, dass man frei von jeder Tagesplanung bis in den Abend hinein fahren kann. Denn einen Ablaufplan für den Tag vorzubereiten, ist sowieso nicht möglich. Durch unterschiedlich lange Wartezeiten an den Schleusen und willkommene Pausen am Fluss- oder Kanalufer löst sich der Bootsfahrer schnell von Zeitlimits. Nur das Tanken sollte man sorgfältig planen. Durch die Einführung der sogenannten „Roten Ware“, des Diesels für Binnenschiffer, verkaufen viele Tankstellen heute nicht mehr an Sportboote. Zwischen Berlin und Borkum bietet nur Berlin Untere-Havel-Wasserstraße(UHW)-km 2, Brandenburg UHW-km 58, die Marinekameradschaft Hannover (Mittellandkanal-km 163) und dann erst wieder Haren/Ems (Dortmund-Ems-Kanal-km 179) Sprit für Sportboote an. Da ist sorgfältige Planung also Schifferpflicht.

Wenn man dieses Haren/Ems erreicht hat, dann ist man schon einige Stunden mitten eingetaucht in die satte und grüne Landschaft des norddeutschen Tieflands. Mit 9 km/h tuckert man seit Kilometer 108 bei Rheine langsam vorbei an grasenden Kühen und weidenden Pferden. Diese letzten 100 Kilometer vor dem Beginn der Tidengewässer bei Herbrum in der Nähe Papenburgs überholen winkende Fahrradfahrer die Boote. An den nächsten Schleusen trifft man sie wieder, wie sie immer mit großem Interesse die Schleusenmanöver beobachten. 13 Schleusen sind auf diesem letzten Teilstück vor der Nordsee zu bewältigen. Am einfachsten folgt man langsam einem Binnenschiff und kann meistens ohne Wartezeiten direkt mit den Berufsschiffern bergab sinken. „Wahrschau“ nur beim dem Schwall der Berufsschiffer. Am besten ist es, erst einzufahren, wenn der Schiffsführer die Maschine ausstellt. Gleichmaßen sollte das Sportboot dem Berufsschiff bei der Ausfahrt erst folgen, wenn es die Schleuse verlassen hat. Hektik ist nicht angebracht. Die Schleusenwärter sind geduldige Menschen! Die meisten Schleusenwärter haben heute die wirtschaftliche Bedeutung der Wassersportler erkannt. Zwar sind die Schleusungen für Sportboote kostenlos, so sind sie dennoch - fast immer - willkommen. Auch wenn sich einmal weit und breit kein Berufsschiffer ankündigt, schleusen die meisten Schleusenwärter des Dortmund-Ems-Kanals den Sportbootfahrer auch alleine. Dann ist das Schleusenmanöver sowieso ein reines Vergnügen. Langsam und ohne Hektik einfahren – am besten mit der Vorleine und der Achterleine gemeinsam mittschiffs am Poller festmachen und dann beim Heben oder Senken jeweils die Leine auf den neuen Poller legen.

Am Ende des Dortmund-Ems-Kanals beginnt die Schlussetappe. Herbrum ist die letzte Schleuse und danach beginnen die Tidegewässer. Das heißt, ab hier ist es ratsam, bei Hochwasser zu passieren. Dann hat man das große Vergnügen mit ablaufendem Wasser vorbei an Papenburg und Leer die 55 Kilometer nach Emden zu schippern. Und wenn man dieses am frühen Morgen macht, liegt ein wunderbarer Zauber über der Ems. Ein Zauber, dem man sich nicht entziehen kann. Die herrliche friesische Landschaft ist ein Schmaus für die Augen.


Die Nordsee ist erreicht - Borkum voraus

Borkum liegt zum Greifen nahe und nur noch wenige Fahrtstunden entfernt. Immer mehr Menschen entdecken die Langsamkeit auf dem Wasser. Die Reise von Berlin nach Borkum ist ein wunderbarer Versuch, sich mit diesem „Virus“ zu infizieren. Und Borkum-Berlin-Borkum als dreiwöchiger Urlaub inklusive einer Woche in den wunderschönen und interessanten Binnengewässern der deutschen Hauptstadt ist dann die Krönung.