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Komm mit ins Lauwersmeer…
im Sommer 2010 von Doris Sutter (Reiseziel: Lauwermeer)

Die Holländer sagen Meer, wenn sie See meinen und See, wenn es ums Meer geht.
Und wir Deutschen sagen Mittelmeer und wenn wir drauf schippern sind wir auf See. Allerdings sind wir auf der Nordsee auf dem Meer.

Wir sind unterwegs ins Lauwersmeer, einem von der Nordsee abgedeichten Binnensee. Wir fahren auf dem Reitdiep. Es war ursprünglich ein Meeresarm, der zur Nordsee offen war. Heute windet es sich wie ein Wiesenbach in wilden Mäandern durch flache, niedere Lande.
Von der Ursprünglichkeit als Meeresarm künden die teilweise hohen Deiche an seinem Ufer.

Eigentlich hatte ich erwartet, um uns einen Patchworkteppich aus bunten Feldern zu sehen, doch dem ist nicht so. Das ganze Land ist grün. Sehr grün. Weideland! Manchmal glotzt eine Kuh ein wenig ungehalten über den Damm, doch meist grasen da Schafe.

Das Reitdiep ist ein Teil der „Staande Mastroute“. Segelboote können mit stehendem Mast über diese Route quer durch Holland bis ins Ijselmeer fahren.

Die dicken Masten einiger alter Frachtensegler lassen stolz ihre Fähnchen in dem starken Wind flattern. Weiße Segel killen über dem Schilf. Von Motorbooten sieht man nur die Dächer knapp über dem Schilfgürtel. Die erste Windmühle, schön restauriert, knipse ich von allen Seiten. Weiß man, ob mir noch mal eine so passend vor die Linse kommt?
Es ist eine geruhsame Fahrt, nur unterbrochen von einigen Brücken, die auf Zuruf eine Dame in irgendeiner weit entfernen Schaltzentrale bedient. Nie hat man längere Wartezeiten. Was man von den von den geöffneten Brücken gestoppten Autos nicht behaupten kann.
Auf den 31 km von Groningen bis zum Lauwersmeer gibt es unendliche viele Möglichkeiten anzulegen. Und jährlich scheinen neue Anleger dazuzukommen, die in den Handbüchern noch nicht verzeichnet sind.
Allerdings sind viele dieser Anleger bereits im Frühsommer, lange außerhalb der Urlaubszeit bereits belegt.
Die meisten dieser Anleger haben keine Landverbindung und natürlich auch keine Versorgung. Hier ist Natur pur.

Wer es nicht ganz so natürlich liebt, findet in dem kleinen, freundlichen Dorf Garnwerd einen Passantenhaven mit allem Schnickschnack und als Highlight die perfekt restaurierte Windmühle „ De Meeuw“. Man kann sie besichtigen.



Eine Möglichkeit der Versorgung findet man in Elektra, aber richtig urig liegt man mitten in Zoutkamp. Die Paling Rokerij und die Fischbraterei duften weit übers Wasser und verdrängen jedwedes Wölkchen Kuhmief.

Selbst bei Schritttempo sind wir bereits mittags im See. Im Meer. Na gut, das Meer, also die Waddenzee, das Wattenmeer, ist wirklich nah. Nur mit einem Deich und einen Sperrwerk von diesem Binnengewässer getrennt. Binnen und Buten sind sich hier ziemlich auf die Pelle gerückt. Das Lauwersmeer ist heute ein Süßwassersee.

Und weil das Wattenmeer ziemlich nah ist, hat es auch immer einen netten Segelwind. Hier muss man sich darauf einstellen, dass die Fünf-Tage-Wettervorhersage bereits am nächsten Tag nicht mehr stimmt.


Da die Ränder des Sees sehr flach und Schilf bewachsen sind, hat der Verband der Marrekrite viele kleine Anleger in den See gebaut. Eigentlich sind es kleine Steiger an Dalben, manchmal sind es nur Dalben mit ein paar Brettern davor. Hier kann man nach Herzenslust anlegen. Und es kostet nix. Das lässt sich doch hören.
Der Name Marrekrite kommt aus dem friesischen, natürlich! Wir sind hier in Friesland, ob es Provinz Groningen heißt oder nicht. Also „mare“ = Meer und „krite“ = Gebiet. Also Seengebiet. Allerdings gibt es die Marrekrite-Anleger auch in den Kanälen, aber dann natürlich am Ufer.

Die Holländer brauchen für Boote bis 15 Meter keinen Führerschein. Allerdings muss, keinen Bootsführerschein zu haben, nicht unbedingt heißen, dass man nicht Boot fahren kann. Schließlich waren die Holländer ine Nation der Seefahrer. Da muss doch noch irgendwo ein kleines Gen versteckt sein?

Freilich ist es nicht so, dass man holländische Boote bereits von weitem an ihrem gelben Nummerschild erkennt. Deshalb ist es durchaus möglich, dass es sich bei einigen Wassersportlern, denen Manfred skeptisch zuschaut, als sie an den falschen Seiten der Tonnen vorbeischippern, durchaus um Ausländer handelt. Besonders bei denen, die anschließend hoch und trocken irgendwo auf dem Schiet sitzen und stundenlang zappelnd und wackelnd versuchen ihren Kahn wieder flott zu machen.

Und weil einige dieser Skipper sehr, sehr nah an unserem Steiger und damit sehr dicht an Beluga vorbeifahren, macht Manfred in der Nacht das Ankerlicht an.


Baden? Nun ja, das Wasser ist wie überall in der Provinz Groningen torfig braun. Fango ohne Tango.
Nicht für den mindestens ein Meter langen Karpfen, der das erste Licht des Morgens nutzt um mit lustvoller Brunftigkeit einen Cha-Cha-Cha zwischen Schilf und Beluga zu tanzen.

Immerhin wissen wir jetzt, warum auf jedem zweiten holländischen Boot eine Angel hängt. Es gibt Fische, sogar sehr große, im Meeres-See.



Wir haben keine Probleme mit Stechmücken, denn unser Schlafraum ist rundherum hermetisch durch Mückennetze geschützt. Was sich morgens an Deck niedergelassen hat, sind auch keine Stecher. Ich würde sie Stundenfliegen nennen, denn sie leben ja nicht mal einen ganzen Tag. Beluga sieht aus, als hätte sie einen Ausschlag.

„Tausende von Fliegen! Ach was! Millionen!“ Nach dem Frühstück wurden bereits Milliarden daraus. Man kann meinem Skipper viel nachsagen, aber nicht, dass er an Untertreibung leidet. Es sind viele!! Und sie sind überall. Auf den Decks, auf der Reling, auf dem Rumpf, auf den Fendern. Während Manfred sich durch das Gewirr der diversen Tonnen über den See tastet, verscheuche ich die Invasoren mit Feudel und Wasserschlauch.

Im See gibt es viele kleine und größere Inseln. Um und hinter jede Insel führt ein betonntes Fahrwasser. Wo diese Nebenfahrwasser die Hauptfahrwasser, auch davon gibt es einige, queren, hat man einen Wald von Stangen vor sich, wie beim Mikado. Und genau so bunt sind auch die Stangen.

Stumpftonnen, Spierentonnen, Schwimmstangen und Stangen stehen für mich wild durcheinander, dazwischen noch ein paar Pricken, von denen man nie so recht wissen kann, ob es nur ein abgebrochener Ast ist, der aus dem Wasser ragt, oder ob der Zweig vielleicht ein Fischernetz bezeichnet oder ob es doch eine Fahrwassermarkierung ist. Rote und Grüne sind auf der gleichen Seite und einige sind auch noch weiß geringelt.

Ich verstecke mich geschäftig hinter meiner Kamera, wozu hab ich denn einen schlauen Skipper an Bord. Wenn wir irgendwo auffahren, kann er mit Recht denken, dass man mich nicht wirklich zur Navigation oder als Ausguck gebrauchen kann.

Natürlich sind wir nirgends aufgefahren. Durchquert man den See erreicht man Damm und Sperrwerk sowie die Robbengatsluis in Lauwersoog.
In dem großen Jachthafen kann man anlegen um die wohl modernste Fischereiflotte Europas zu besichtigen.

Wir drehen eine Runde durch den Jachthafen, der genauso voll ist mit Seglern wie die Häfen am Mittelmeer.
Große Seemöven ziehen auf Nahrungssuche elegante Kreise.

Die Waddenzee ist zum greifen nah.