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Die Moldau
im Sommer 2011 von Doris Sutter (Reiseziel: Moldau)

„Wo willst du hin?“, fragte Manfred erstaunt, „nach Prag?“ Ja, nach Prag. Die Elbe zu Berg, dann in die Moldau bis Prag. Die Beschaffung der Flusskarten erwies sich als schwierig. Für die deutsche Elbe gibt es einen Törnführer. Für die Labe, tschechischer Name der Elbe und die Vltava, tschechischer Name der Moldau, war bei uns nichts zu beschaffen. Es ist immer ein Glück, wenn man jemand kennt, der jemand kennt… Ein tschechischer Bootsfreund hat uns Kopien seiner alten Karten gemacht. Wir konnten die abenteuerliche Reise antreten.

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...."
Glockenhell sprudeln Piccoloflöte und Klarinette, fröhlich gluckert die Harfe, die Quelle plätschert lustig. Unheimlich ihr Weg durch die Gebirgsschlucht, dramatisch die Töne der Bläser, weiter die tosenden Wasser durch Stromschnellen bis zu ihrem majestätischen Ende, voller Kraft ertönt das ganze Orchester. Die Moldau, die sinfonische Dichtung eines Flusses, musikalische Metapher und Poesie. Smetanas Liebeserklärung an einen kleinen Fluss.
Wie würde diese Ode wohl heute ausfallen?
Die Moldau, - entstanden aus zwei Quellflüssen, der Warmen Moldau im Böhmischen Wald und der Kalten Moldau im Bayrischen Wald. Kaum schickt sie sich an ein kleines Flüsschen zu werden, wird sie bereits zum ersten Mal gestaut. Bis sie Prag erreicht muss sie noch drei weitere Stauseen hinter sich lassen. Auch die dramatischen Stromschnellen sind längst verschwunden. Wehre und Schleusen bremsen ihren Lauf, bevor sie bei Melnik in die Elbe mündet. 430 km ist die Moldau lang, doch nur die unteren 91,5 km sind schiffbar. Der Fluss wurde gezähmt. Doch ein Fluss ist nie ein zahnloser Tiger. Das letzte verheerende Hochwasser an Elbe und Moldau war 2002. 17 Menschen ertranken und alleine in Tschechien entstanden Schäden von 3,3 Milliarden Euro.
Was für einen Grund es gibt die Moldau zu befahren? Der Weg ist das Ziel, doch am Ende des Weges ist das Ziel: Die goldene Stadt Prag. Für Goethe „der schönste Stein in den Steinkronen der Welt“.



Der tschechische Name der Moldau ist Vltava. Aus dem germanischen Wilth-ahwa, was so viel wie „wildes, reißendes Wasser“ heißt. Für Optimisten ist sie das „Böhmische Meer“.
Die Moldau mündet bei Melnik in die Elbe, doch ihr Unterlauf ist nur bedingt befahrbar, denn bei Kilometer 11,5 ist ein Wehr und verhindert die Weiterfahrt. Die Schifffahrt umfährt dieses Flussstück mit dem schnurgeraden Horin-Kanal. Bei km 1 erreichen wir „plavebni komora Horin“ – die Schleuse Horin. Sie ist ein Paradebeispiel alter Wasserbau-Kunst. Ganz aus Natursteinblöcken ist sie eine Augeweide. Im Standgas fährt Beluga durch den schmalen Kanal. Kurz vor seinem Ende legt vor uns ein Kieskutscher ab. Er ist so langsam, dass wir schon auflaufen, wenn wir nur den Gang einlegen. Außerdem ist er in eine schwarze Öldampfwolke gehüllt, die uns die Augen tränen lässt. Wir halten so viel Abstand wie möglich. Wieder im Fluss fahren wir an ihm vorbei, durchaus bewusst, dass wir an der nächsten Schleuse auf ihn warten müssen. Wir warten fast eine Stunde, bis „plavebni komora Mirejovice“ Talfahrt entlässt und wir hinter dem Kieskahn einfahren können. Volle Pulle lässt der seine Schraube drehen und uns dahinter tanzen. Manche lernen es einfach nicht.
Tschechen haben eine eigene Art von Humor. Der tschechische Schauspieler Jan Werich sagte einmal:
„ Wenn nicht das Leben auf dem Spiel steht, steht nur ein Scheißdreck auf dem Spiel!“
Für uns heißt das: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Die Landschaft auf unserem Weg - abwechslungsreich. Ein breites Tal, Rapsfelder, Obstplantagen, kaum Industrie, kleine Dörfer. Immer wieder eine Kirche, eine Burg, ein Kloster. Bewaldete Berghänge im Hintergrund. Dann wird das Tal schmäler. Verstreut kleine Hexen-Häuschen vor schroffen Felsen. Das Tal ähnelt einer Schlucht. Dramatisch, romantisch, schön.
Bei der neuen Marina Vltava rasten wir. www.marinavltava.cz Für 290 Kronen erhalten wir einen Nachtplatz an der Mole. Gut, dass wir bereits zu Hause 50 € in 1100 Kronen gewechselt haben.
Reste der Fluss-Begradigung. Abgedeichtes Fahrwasser.
Vor uns eine Baustelle. Kiesschuten im Fluss. Und dann etwas Kleines, Grünes, das im Wasser wuselt. Das schauen wir uns näher an. Es ist eine Unter-Wasser-Raupe. An Land sitzt ein Mann mit der Fernsteuerung in der Hand. Das kleine Ding krabbelt unter Wasser herum, oben schaut nur ein kleiner Zipfel hervor, wie das Sehrohr eines U-Bootes. Erst wenn sie mit ihrer Schaufel Kies ans Ufer schiebt, kommt die ganze Maschine mit ihren Raupenrädern zum Vorschein. Geniale Erfindung. Ein paar Kilometer weiter begegnen wir einem gelben Schiff, das seitlich lange Stangen ausfährt, die unter Wasser wohl das Gelände abtasten.
Die Schleusenampeln springen jedes Mal sofort auf Grün, sowie wir nur in Sicht kommen. An die ehemaligen kleinen Schleusenkammern wurden riesige neue, doppeltbreite Kammern, angebaut. So entstanden eigentlich zwei Schleusen, die unabhängig von einander gefüllt werden können und der Umbau für große Schiffe ging preiswert ohne aufwändige Neubauten der Anlagen von statten. Wir werden jeweils in der kleinen Kammer geschleust. Das Wasser kommt meistens mittig und erspart uns Gezerre.
Beginn der Großstadt Prag. 31 km fließt der Fluss durch die Hauptstadt. Als wir in den Schleusenkanal der Schleuse Stvanice einbiegen, dampft über uns ein Zug über die Brücke. Dampfen ist wörtlich zu nehmen. Wann haben Sie das letzte Mal eine Dampflok im Einsatz gesehen? Können sie sie noch an den Geruch erinnern, der anschließend in der Luft liegt? Kindheitserinnerungen.



Die Aussicht auf die Stadt von Bord aus hat einen unvergesslichen Zauber. Hoch über der Stadt thront der Hradschin, die größte Burganlage der Welt – lt. Guinnes-Buch der Rekorde-. Leider sieht man sie nicht durchgehend. Kirchtürme, Prachtbauten. Prag, die Stadt der goldenen Kuppeln? Ich sehe nur grüne Kuppeln und Türme. Trotzdem schön.
Inseln im Fluss, viele Brücken. Die Karlsbrücke, außer Burg und Astronomischer Uhr, das wohl bekannteste Bauwerk der Stadt.
Anekdoten ranken sich um ihren Bau und Wiederaufbau:
Nach dem Einsturz der ersten steinernen Brücke über die Moldau, der Judithbrücke, im Jahr 1342, sollte die neue Brücke besonders haltbar werden. Das sei am Besten damit zu erreichen, dass man dem Mörtel Eier beimische. Karl IV. habe also befohlen, dass aus dem ganzen Reich Eier herangeschafft wurden. Viele Städte lieferten große Mengen, darunter auch die Bürger von Rakovnik. Doch als die Maurer diese Eier aufschlugen, um sie unter den Mörtel zu mengen, stellten sie fest, dass sie hart gekocht waren. Die vorsichtigen Einwohner von Rakovnik wollten eben sicher gehen, dass die empfindliche Ware unterwegs nicht zerbrach!
Eine andere Variante dieser Geschichte besagt, dass zur Fertigung des Mörtels Milch nötig gewesen sei. In diesem Fall hätten sich die Einwohner von Beroun als besonders vorsichtig erwiesen: Um keine verdorbene Ware anzuliefern, schickten sie gleich Quark. Dieser war nun allerdings ohne Schwierigkeiten zu verarbeiten. Aber noch lange nach Fertigstellung der Karlsbrücke habe es an der entsprechenden Stelle eigentümlich sauer gerochen.

Direkt unterhalb der Brücke ist ein Freilichttheater im Fluss. Dutzende von Rundfahrtbooten. Wir sollen nur keinen Funk einschalten, wenn wir durch die Stadt fahren, warnt unser tschechischer Freund. Die Kapitäne untereinander wären nicht sehr höflich. Aber dann fällt ihm doch noch ein, dass wir ja eh nicht verstehen was gesprochen wird. Wir entgehen dem Getümmel jedoch, weil wir unsere Stadtrundfahrt auf die ganz frühen Morgenstunden legen.



Wir genießen den Anblick der Stadt natürlich nicht nur von Bord aus. Um Beluga während unserer Abwesenheit sicher versorgt zu wissen, entscheiden wir uns für den öffentlichen Hafen Holesovice bei km 47,4. Hier betreibt die Firma Imramovsky eine Steganlage und in einem umgebauten Schiff eine Bootsausrüstung. Sie bieten das komplette Vetus-Programm an. www.imramovsky-marine.cz
Sehr hilfsbereit versorgen sie uns auch mit Strom und Wasser und wir zahlen pro Nacht 7 €. Zu Fuß zur Altstadt ist es zu weit. Da helfen nur Taxi oder Tram. Aber den vietnamesischen Basar in einer ehemaligen Schlachtfabrik kann man gut zu Fuß erreichen. Man darf ihn nicht verpassen, er ist sensationell und riesig. Wunderschöne Lederwaren mit sehr softigem Griff sind im Angebot, durchaus preiswert. Einen Norma- und einen Penny-Markt haben wir auf dem Gelände entdeckt, mit urdeutschem Angebot.
Natürlich besucht man Tschechien nicht deutscher Gerichte wegen, sondern um die typische böhmische Küche kennenzulernen.
"Die Suppe ist der Grund ... und Fleisch dann der Spund", besagt eine alte böhmische Küchenregel. Prager Schinken, böhmische Buchteln, Gulas, böhmische Knödel – knedlíky -, mährische Krautsuppe -Zelná polévka -. Spülen Sie einfach mit einem Becherovka nach.
Und natürlich Bier – pivo -. Wo kommt es denn her, unser kühles Pils? Aus Pilsen natürlich. Pilsner Urquell wird immer noch hier gebraut und geht in den Export – zu uns -. Und Budweiser!? Wer kennt es nicht?! Übrigens: Bier wird normalerweise aus Halblitergläsern getrunken, kleinere Mengen verachtet der normale Prager. Nur wenn Sie abfällige Blicke nicht scheuen, verlangen Sie ein malé pivo, ein kleines Bier (0,3 l).
Was unterscheidet Deutsche und Tschechen, in Lebensart und Küche, wollen wir wissen.
„Deutsche Hausfrauen räumen mehr auf, tschechische Hausfrauen kochen mehr!“

Um ein Land oder eine Stadt kennenzulernen reichen einige Urlaubstage nicht aus. Prag ist ein lebendiges Freilichtmuseum. Wenn nur die für mich schwierige Sprache nicht wäre. Doch mittlerweile gibt es viele, die englisch sprechen und einige sogar noch – oder wieder – deutsch. Schmerzlich vermisst habe ich den Euro. Wie einfach ist es doch, wenn alle die gleiche Währung haben und das umständliche Wechseln und Umrechnen wegfällt.

Halten sie es wie die Tschechen: „ Nehmen sie das Leben nicht zu ernst, sie kommen eh nicht lebendig davon!“

Die ganze Geschichte von Belugas Reise lesen Sie dem neuen Buch
12 Flüsse für Beluga - Bootstour durch sechs Länder
ISBN 978-3-86675-153-8 Mohland Verlag 12,50 €
Im Buchhandel, im Internet z.B. bei Amazon, oder der Autorin