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Aktueller Reisebericht

Urlaubs-Törn Berlin - Brandenburg
im August 2012 von Wolfgang & Renate (Reiseziel: Brandenburg)

Als wir, das sind meine Frau Renate und ich selbst, vor zwei Jahren als "frisch gebackene Ruheständler" mit unserem Wohnmobil an der Havel ein paar Tage verbrachten, kam der Wunsch auf, mit einem Boot einmal dieses Revier der Region Berlin - Brandenburg zu befahren.
"Das größte zusammenhängende Netz von Binnengewässern in Europa mit etwa 3.000 Seen und ca. 1.600 km für Segler und Motorbootfahrer befahrbare Gewässer" stand verheißungsvoll in einem maritimen Magazin, das zur Mitnahme ausgelegt, wir zum Lesen in die Hände bekamen.
Gesagt getan, 2012 war es dann endlich soweit.
Wir waren wieder mit unserem Wohnmobil in Deutschland unterwegs, hatten dieses Mal aber als Bestandteil unserer Reise für Mitte August eine Woche ein Motorboot aus der großen "Seepferdchen-Flotte" von Yachtcharter Keser/Berlin gebucht.
Mit Mike Keser konnte vorab am Telefon geklärt werden, dass unser Womo während unseres Törn's auf dem Gelände der Firma Keser (kostenfrei) stehen bleiben konnte! Das war überaus bequem und angenehm für uns, und ist vielleicht auch nicht überall selbstverständlich?
Das Boot, "Seepferdchen 18" ist ein etwas mehr als 8 m langes und knapp 3 m breites Motorboot, und als Marco Succes 810 AK mit einem 65 PS Innbord-Vetus-Dieselmotor als Verdränger auf dem Markt.
Es ist eines der kleineren Boote aus der "Seepferdchen-Flotte", aber für uns zwei Senioren mehr als ausreichend, zumal wir die von uns nicht benötigte Achterkajüte wunderbar als großen begehbaren Kleiderschrank nutzen konnten.
Außer mit der für die Navigation und Sicherheit notwendigen Ausrüstung war das Boot mit einer großen Cockpitganzpersenning, Kühlschrank, Dieselheizung, und für Segler eher selten, mit einem Bugstrahlruder ausgerüstet.
Das war für uns beide, inzwischen mit mehr als 30 Jahren Ostsee-, Nordsee- und Mittelmeer-Erfahrung, mit Charter- und eigenen Segelbooten im Kielwasser, ein zwar ungewohnter, aber umso erfreulicher Komfort.
Schon das Ablegen in der kleinen Marina der Charterbasis im Pichelsdorfer Gmünd, zwischen Scharfe Lanke und dem Stößensee gelegen, war durch das Bugstrahlruder ein "Kinderspiel".
Weiter ging die Fahrt auf der unteren Havelwasserstrasse über die Kladower Seenstrecke, vorbei am 55 m hohen Grunewaldturm - einem Aussichtsturm zur Erinnerung an den 1888 verstorbenen Kaiser Wilhelm I. - gemächlich und ohne besondere Eile Richtung großer Wannsee.
Wir nahmen uns sehr viel Zeit für das uns völlig unbekannte Revier, "denn der Weg ist das Ziel" ist hierbei unser 1. und wichtigstes Motto.
Vorbei am berühmten Wannseebad und den vielen Bootsclubs / Vereinen gingen wir für die erste Nacht vor schöner Kulisse vor Anker - bloß kein Stress - ist denn auch unser zweites wichtiges Motto.
"Das berühmte Wannsee-Bad"
"Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein / Und dann nischt wie raus nach Wannsee / Ja, wir radeln wie der Wind durch den Grunewald geschwind und dann sind wir bald am Wannsee "
Gesungen von Connie Froboess - ja wir "Älteren" können uns gut erinnern.
Meine Frau und ich sind es vom Mittelmeer her gewohnt zu ankern, und haben uns daher erst gar nicht in einer der vielen Marinas, oder die mit gelber Welle besonders für Wasserwanderer gekennzeichneten Häfen um einen sicher möglich gewesenen Gastliegeplatz bemüht!

Vor Anker liegend, und einem von Renate lecker zubereiteten Abendessen verwöhnt, lauschen wir den gedämpften Geräuschen an Land, genießen bei sich wiegendem Boot den schönen Sonnenuntergang und das "Hafenkino" mit den einlaufenden Booten und Yachten. Gekonnte oder auch weniger gekonnte Anlegemanöver sorgen bis zum Hereinbrechen der Nacht an Bord für allerlei Kurzweil und zuweilen auch Gesprächsstoff.
Das Frühstück am darauf folgenden Morgen bei herrlichem Sonnenschein sorgte, obschon erst am Anfang der Reise, für eine gewisse Hochstimmung und Vorfreude an Bord unseres "Seepferdchens".
Danach Besprechung, Anker auf, und rein in den Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal.
Durch den kleinen Wannsee, Pohlesee und weiter durch den Stölpchensee ging unsere Fahrt vorbei an fantastischen privaten Anwesen und Wassergrundstücken mit eigenem Bootsanleger und sehr schönen, weil alten Baumbeständen.
Wir hatten Zeit dieses beeindruckende Ensemble zu betrachten, da unsere Weiterfahrt an einer Engstelle des Kanals durch ein Schild, das die Einfahrt nur zur vollen Stunde bis max. 20 Min. danach erlaubte, für eine kurze Zeit unterbrochen bzw. gestoppt wurde.
Die Zwangspause tat gut und entschleunigte zusätzlich unsere Reise - ganz nach unserem ,,2. Motto".
"An der Engstelle warten bis es weitergeht"
Aber irgendwann ging es weiter und es folgte die Einmündung nach Bb. zum Teltowkanal bzw. Stb. in den Griebnitzsee.
Die auf dem weiteren Wasserweg liegende Glienicker Brücke hat es durch seine ehemalige Nutzung zum Austausch von Ost/West-Agenten und -Spionen, zu Berühmtheit und Mythos in der "Spionagebranche" gebracht, was durch die Zugehörigkeit zum UNESCO - Weltkulturerbe auch hinlänglich dokumentiert wird.
"Chapeau Glienicker Brücke!"
Unser gewählter Kurs durch den Griebnitzsee führte auch über den Jungfernsee, von dort hinter eine große Landzunge gegenüber der weithin bekannten Pfaueninsel.
Das Schloss, das Friedrich Wilhelm 11., König von Preußen, schon als Kronprinz zum "Liebesnest" für sich und seine angebetete Wilhelmine Enke, später vom König in den Adelsstand erhobene Gräfin Lichtenau, erbauen ließ, war unsere gewählte Kulisse für den nächtlichen Ankerplatz.
Das eingebaute Radio versorgte uns mit dem aktuellen Wetterbericht für die Region, und sorgte für die musikalische Unterhaltung an Bord. Mit Buch und Sudoku ausgestattet, sollte ein weiterer genussvoller Abend und eine ruhige Nacht, ohne jegliche Probleme bei Wetter, Crew und Boot folgen.
Mann oh Mann - bloß kein Stress!
Oje, die Zeit verfliegt, schon Tag drei der Reise ist angebrochen und mit Frühstück, Besprechung, Anker auf, folgen die Handlungen und die handelnden Personen der üblichen und eingespielten Bordroutine.
Wir wollen nach Werder/Have/, einem schönen alten historischen Städtchen.
Werder bedeutet - "vom Wasser umgebenes Land" - und tatsächlich ist der als Insel in der Havel liegende Teil der Stadt von Schwielowsee, Glindowsee, großer Plessower See, Zernsee und natürlich von der Havel üppig von Wasser umgeben!
Unsere Fahrt ging wie immer gemächlich durch den "Tiefen See" auf der Havel Richtung Potsdam. Doch beim Klabautermann, irgendwie war kein Weiterkommen mehr! Vor uns nur eine kleine Werft und viel, ja sehr viel Natur. Wo sind wir, und viel wichtiger, wo ist denn die Havel geblieben?
Ein Blick in die Sportboot-Karte offenbarte sofort und eindeutig meinen Fehler!
Die Havel knickt vor Potsdam nach Stb. ab, während voraus ein zwar schöner, aber auf gar keinen Fall zielführender kleiner See liegt.
So ist das, wenn die unbekannte Umgebung mit viel Neuem einen zu sehr ablenkt, und zudem die Uferbebauung optisch ohne Unterbrechung scheint.
Asche auf das Haupt des Skippers, einmal "Kiel geholt", oder ersatzweise Abwasch des Geschirr's!
Auf diese Überraschung erst mal rasch vorbei an der Skyline von Potsdam, Seilfähre voraus querab vorschriftsmäßig durchlassen, und auf zum Ankermanöver und zur Kaffeepause in die Ausbuchtung "Hinterkappe" des Templiner Sees.
Bitte bloß kein Stress!
Viel viel später, und am Ende unserer Durchquerung des Templiner Sees ging das Fahrwasser wieder auf Kanalbreite zurück, - es kreuzte abermals eine Seilfähre unseren Kurs - ,um nach weiterer kanalartiger Seestrecke nach NW abzubiegen.
Weiter auf der Havel, durch Stb.- und Bb. - Tonnen gekennzeichnet, führt der Kurs über den Schwielowsee uns und unser "Seepferdchen" letztlich zum Tagesziel nach Werder/Havel.
Dort angekommen machten wir zum einzigen Mal (Ausnahme Basisstation) in einem Hafen, bei dem dort beheimateten MC-Werder an einem Innensteg der Hafenanlage fest. Das als Hafenmeister "diensthabende" Clubmitglied wies uns ein, erklärte uns, wo Wasser, Strom, Supermarkt, Duschen, WC und Müllentsorgung zu finden sind, und nach Entrichtung einer geringen Kaution für Schlüssel und Hafengeld erhielten wir noch als Zugabe den Tipp eines guten Fischlokals in Werder dazu.

Es ist sehr warmes und schönes Wetter, so dass nach dem Einkaufen ein 30-minütiger Spaziergang zur alten Inselstadt Werder / Havel eine durchaus willkommene Abwechslung für uns darstellte.
Das Fischrestaurant war wie angepriesen, lag direkt an der Havel, und das Essen besiegelte einen wunderbaren Tag.
Der drohende Abwasch - Sie erinnern sich vielleicht - konnte durch die Einladung meiner Frau zum Essen, und sehr zu meiner eigenen Freude, ebenfalls abgewendet werden.
Wie war das noch? - bloß kein Stress!
Als wollte der Sommer den verregneten Beginn im Juli vergessen machen, war es am anderen Tag dieses August noch wärmer (weit über 30 Grad) und noch sonniger!
So fiel unsere Entscheidung nicht schwer, anstatt weiter das Revier zu erkunden, einen Badetag am Glindower See gleich um die Ecke einzulegen.
Durch eine sehr schmale Durchfahrt ist dieses Kleinod zu erreichen, bleibt daher aber für es eilig habende (Durch-) Reisende auch unsichtbar versteckt.
Es wird von Einheimischen behauptet, dass dieser See das sauberste Wasser der Region Berlin - Brandenburg besitzt!
Wie dem auch sei, es folgte ein herrlicher Badetag, und die Badeplattform am Boot sorgte für die von Bordfrau besonders geschätzte zusätzliche Annehmlichkeit.
Baden und sich abkühlen - wunderbar!
Ein Sonnenuntergang wie gemalt, eine mit sich selbst im Reinen befindliche Besatzung, und rundum viel Natur besiegelte diesen Tag und entließ uns wohlfühlend in eine weitere Sommernacht.
Was für ein Sonnenuntergang!
Bei allen Meerjungfrauen - vielleicht doch noch Stress?
Ein Jammer, die Rückreise unseres Törns rückt leider immer näher!
Wie doch die Zeit in nur einer Woche vergeht - als wären den Tagen etliche der 24 Stunden geklaut worden!
Nein, nein Entwarnung und keinen Stress, wir haben für die Rückreise zur Basis vorsorglich ausreichend Zeit eingeplant und können somit in aller Ruhe und Gelassenheit die "Heimreise" antreten.
Zurück geht es auf dem gleichen Weg, da wir dem Kurs über die verschiedenen Seen und deren wechselnden Landschaften, langen und (mutmaßlich) langweiligen Kanalfahrten, einfach den Vorzug geben.
Begegnung mit der Berufsschiffahrl
Nach Stunden bei langsamer Fahrt wieder mal in Nähe der Glienicker Brücke angekommen, steuern wir über den Jungfernsee Richtung Sacrow-Paretzer-Kanal.
Vor der Einfahrt in den Kanal führt unser Kurs allerdings nach Stb. in Richtung des Krampnitzsees.
Ein paar Biegungen und Windungen später fällt unser Anker am Ende des Sees vor einem landwirtschaftlichen Anwesen mit sehr vielen Pferden auf der Koppel.
Es ist sehr heiß geworden, und unsere Tätigkeit des restlichen Tages besteht aus Schwimmen, Baden, Schwimmen, und nach einer zwingend erforderlichen Aufnahme an Nahrung, wieder nur aus Baden und Schwimmen.
Bloß kein Stress!
Das Ende unserer Bootsreise naht jetzt allerdings sehr schnell und unbarmherzig.
Auf der letzten Wegstrecke, und am Vorabend der Abgabe des Bootes, "unserem Seepferdchen", wollen wir in der Scharfen Lanke letztmals dieses Jahr vor Anker gehen.
Am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück, werden wir in dem dort
beheimateten Yacht-Centrum Marina-Lanke-Berlin den verbrauchten Diesel wieder nachfüllen, und den Schmutzwasser-Tank über die dort vorhandene Absauganlage entleeren.
Wie geplant, wird es am nächsten Tag auch von uns umgesetzt.
Nach Ende der letzten Nacht vor Anker will der "Skipper" am Morgen danach sich
gewohnheitsmäßig umsehen und sieht erst mal - Null Komma gar nichts
Alles im totalen Nebel, als hätte sich das Revier vor uns versteckt, damit wir es auf gar keinen Fall verlassen können.
So ist es leider nicht, und auch der Nebel beginnt sich nach und nach zu einem wieder einmal schönen sonnigen Tag zu lichten.
Volltanken mit Diesel und Leeren des Schmutz- und Fäkalientanks mittels der Absauganlage war vollkommen problemlos zu bewerkstelligen.
Da die Tankanlage mit Steg und kleinem Kaffeeshop ausgestattet ist, kann auch die Wartezeit bis die Absauganlage frei wird, leicht und angenehm überbrückt werden.
Letzter Akt der Woche ist, Fahrt über die Lanke und rein in den Pichelsdorfer Gmünd, im Heimathafen anlegen, "hallo - da sind wir wieder" sagen, den Checkout erledigen, und - sehr sehr traurig sein, dass es so schnell vorbei ging!
Alles hat geklappt - der Skipper ist zufrieden!

Unser Fazit zur Woche:
Vercharterter:
Firma Keser, bei uns Mike Keser: Absolut unkompliziert und kompetent!
Die mehr als 40 Jahre Erfahrung des Familien-Unternehmens merkt man!
Boot:
Alles Wichtige da, alles Wichtige drin, sauber, ohne technischen Probleme.
Wir, sonst immer Segler, haben uns wegen des Reviers für ein Motorboot entschieden.
Segeln ist zwar gut möglich, aber wegen der vielen Brücken wäre des Öfteren das legen des Mastes notwendig und unumgänglich geworden!
Ausstattung:
Wir haben, außer einem Waschbecken im WC-Raum, nichts vermisst!
Das Bordgeschirr verdient schon wegen seinem schönen Design und sehr guter Qualität eine besondere Erwähnung - darauf besteht die Bordfrau Renate!
Revier:
Tolles Wasserwander-Gebiet, interessant, absolut gut und sicher zu befahren.
Die vielen Seen ergeben sich schon dadurch, dass fast jede Bucht an der Havel den Namen eines Sees erhält.
Wetter:
Wir hatten einfach Glück und die ganze Woche Keser, pardon "Kaiser-Wetter".
Unser Kurs:
Wir haben unsere Kurse so gesteckt, dass möglichst wenig Kanalfahrt und möglichst keine Schleusen dabei waren.
Denn unser Motto war und ist - Bloß kein Stress!
Wiederholung möglich? Ja - damit drohen wir !!!
Mit sportlichem Gruss
Skipper Wolfgang + Bordfrau Renate; Rottenburg a. Neckar